Warum Empathie ohne Abgrenzung viele Menschen erschöpft
- Ursula Kübe

- 28. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Seit einigen Tagen beschäftigt mich ein Gedanke besonders.
Eine Professorin sprach über den Begriff „Impathie“.
Sie beschrieb ihn als: Empathie plus Klarheit plus Abgrenzung.
Und je länger ich darüber nachdenke, desto relevanter erscheint mir dieser Gedanke gerade für Menschen mit viel Verantwortung.
Viele empathische Menschen tragen zu viel
Sie spüren Stimmungen schnell.
Denken mit.
Kümmern sich.
Übernehmen Verantwortung.
Oft lange, bevor andere überhaupt merken, dass etwas nicht stimmt.
Nach außen wirkt das häufig wie Stärke und oft ist es das auch.
Das Problem entsteht erst, wenn Empathie keine Grenze mehr hat. Dann beginnt etwas,das viele lange gar nicht bemerken: Man ist ständig innerlich bei anderen Menschen.
Bei ihren Erwartungen.
Ihren Problemen.
Ihren Bedürfnissen.
Und irgendwann bleibt dabei kaum noch Raumfür die eigene innere Stabilität.
Warum gerade leistungsstarke Menschen betroffen sind
Viele Menschen mit hoher Verantwortunghaben früh gelernt:
aufmerksam zu sein
mitzutragen
Konflikte zu vermeiden
Erwartungen zu erfüllen
Und genau deshalb fällt es ihnen oft schwer, wirklich bei sich selbst zu bleiben, nicht aus Schwäche, sondern weil ihr gesamtes System auf Verantwortung ausgerichtet ist.
Wenn Mitgefühl in Daueranspannung kippt
Empathie wird problematisch, wenn sie nicht mehr bewusst gesteuert wird.
Dann entsteht häufig:
innere Überforderung
emotionale Erschöpfung
ständiges Mitdenken
Schwierigkeiten loszulassen
Nicht, weil Menschen zu sensibel sind, sondern weil sie nie gelernt haben, Mitgefühl und Selbstführung gleichzeitig zu leben.
Was Impathie deshalb so wertvoll macht
Der Gedanke hinter Impathie ist nicht: weniger empathisch zu sein.
Sondern: empathisch zu bleiben —ohne sich selbst dabei permanent zu verlieren.
Das bedeutet: Klarheit statt permanenter Anpassung.
Abgrenzung ohne Härte.
Mitgefühl — ohne die eigene innere Stabilität aufzugeben.
Vielleicht beginnt genau dort echte Selbstführung
Nicht nur darin, für andere da zu sein, sondern sich selbst dabei nicht zu vergessen.
Denn viele Menschen kümmern sich um alles.
Aber kaum jemand fragt:
Wer kümmert sich eigentlich um den Menschen, der permanent für andere mitträgt?
Und wann hast du dich selbst dabei zuletzt wirklich wahrgenommen?




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